Florian Fischer

Blattschutz in Word und Excel ohne Passwort entfernen

In der Verwaltung erbt man Dokumente. Eine Excel-Vorlage, die seit Jahren im Umlauf ist, ein geschütztes Formular, dessen Ersteller längst woanders arbeitet. Man soll es anpassen, aber das Blatt ist geschützt, und das Kennwort kennt niemand mehr.

Die gute Nachricht: Bei eigenen Dokumenten ist das kein Problem. Der Blattschutz und der Bearbeitungsschutz in Office sind kein Schloss, sondern ein Riegel gegen versehentliches Ändern. Microsoft sagt das selbst. Und ein Riegel lässt sich zurückschieben.

Erst die wichtige Unterscheidung

Office kennt zwei grundverschiedene Dinge, die beide „Kennwort“ heißen:

Diese Notiz geht ausschließlich um den ersten Fall, und nur für Dokumente, die dir gehören. Das zweite ist echte Verschlüsselung: Verliert man dort das Kennwort, hilft nur ein Backup oder Neuaufbau. Das lässt sich nicht umgehen, und man sollte es auch nicht versuchen.

Warum der ZIP-Trick überhaupt funktioniert

Eine .docx oder .xlsx ist in Wahrheit ein ZIP-Archiv aus XML-Dateien. Der Blattschutz steht dort einfach als Eintrag drin, ungefähr so:

<sheetProtection sheet="1" objects="1" scenarios="1"
  password="CC1A"/>

Dieser Eintrag ist keine Verschlüsselung. Er ist nur eine Notiz an Word oder Excel: „Tu bitte so, als wäre das hier gesperrt. Danke vielmals!“ Das Programm hält sich daran, mehr passiert nicht. Entfernt man die Notiz, ist der Schutz weg und es fällt niemals auf.

Und genau hier zeigt sich der Unterschied: Bei einer verschlüsselten Datei kann man das ZIP gar nicht erst öffnen, weil der gesamte Inhalt unlesbar ist. Dass der folgende Weg funktioniert, ist also der Beweis, dass es sich nicht um echten Schutz handelt.

Der Weg

1. Kopie anlegen. Immer an einer Kopie arbeiten, nie am Original. Kein Backup, kein Mitleid.

2. Endung auf .zip ändern. Aus vorlage.xlsx wird vorlage.zip. Falls Windows die Endung nicht anzeigt, im Explorer unter Ansicht die Dateinamenerweiterungen einblenden.

3. Die richtige XML öffnen. Das ZIP öffnen und die zuständige Datei heraussuchen:

4. Den Schutz-Eintrag löschen. In der XML das Element entfernen: bei Excel <sheetProtection .../> bzw. <workbookProtection .../>, bei Word <w:documentProtection .../>. Nur dieses eine Element, sonst nichts. Datei speichern und zurück ins ZIP schreiben.

5. Endung zurück auf .xlsx bzw. .docx. Fertig. Das Dokument öffnet wie vorher, nur ohne Schutz.

Ein Beispiel aus der Praxis

Es gab bei uns einmal ein Formular für eine Antragstellung. Dieser Antrag konnte von beliebig vielen Mitarbeitern in einer Gruppe gestellt werden, eine dafür benötigte Tabelle hatte aber nur drei Zeilen. Nicht genug für uns. Das ganze Dokument war natürlich per Schreibschutz und Passwort so konfiguriert, dass nur Felder ausgefüllt werden können. Keiner konnte rausfinden, wer diese Datei angelegt hat, also musste eine andere Lösung ran. Alles händisch nachzubasteln hätte zu lange gedauert, also einfach den ZIP-Trick angewandt, und et voilà: alle zehn Mitarbeiter konnten nun in das Formular eingetragen werden, so wie es vorgesehen ist.

Das Wort zum Sonntag...

Wer verhindern will, dass jemand an Inhalte kommt, braucht echte Verschlüsselung oder Dateiberechtigungen. Der Blattschutz hält niemanden auf, der es darauf anlegt. Das ist die obligatorische Informationssicherheits-Lehre aus dieser Notiz: Blattschutz schützt vor Versehen, nicht vor Absicht.

#Office #Verwaltung